Ich kam mit 19 ins Musikgeschäft, wurde auf Anhieb ein „Star“ in Deutschland, Europa und sogar ein bisschen in Amerika, verkaufte über 7 Millionen Platten und habe 2005 meine Hochzeit und drei Monate meines schnellen Lebens im Rampenlicht im Fernsehen mit einem riesigen Publikum geteilt. Das war die Zeit vor Facebook. Indem Hunderttausende einen imaginierten „Like“-Button drückten, glaubten sie, über mich schon alles zu wissen. Heute weiß ich, dass dies meine Warhol’schen 15 Minutes of Fame waren – eine geteilte Oberfläche, eine schillernde, faszinierende Pop-Bubble. Das waren die ersten zehn Jahre meiner Karriere.

An meinem neuen Album habe ich die letzten fünf Jahre gearbeitet, da ich darauf bestanden habe, auch die Jobs selbst zu machen, für die man normalerweise jemanden engagiert. Einfach und allein aus dem Grund, weil ich niemanden gefunden habe, der es mir so richtig Recht machen konnte. Ich wollte meine Songs nicht in fremde Verantwortung übergeben. Ich habe mich meiner eigenen Vorstellung von Musik, von Gesang, von eigenen Texten gewidmet und mir alle Zeit der Welt genommen, die meine Songs von mir gefordert haben. Anfang letzten Jahres hat mich eine Freundin Peter Plate, Ulf Sommer und Daniel Faust vorgestellt – das waren in ihrem „vorigen Leben“ Rosenstolz. Und plötzlich waren da Menschen mit einem extrem feinfühligen Händchen. Ganz behutsam, mit viel Spaß und sanfter Bestimmtheit, haben sie mich ermutigt, meinen Instinkten zu folgen, haben sich auf mich und meine eigenwillige Art zu texten und zu komponieren eingelassen und wurden innerhalb von ein paar Monaten meine wichtigste Reflexionsfläche. Ohne ihre Liebe und Freundschaft und ihr Talent wäre dieses Album ein völlig anderes geworden.

Ich habe mich dabei zeitweise ein wenig entfernt vom typischen Soul von Aretha Franklin und Nat King Cole und Marvin Gaye – der Musik, mit der ich aufgewachsen bin – und angefangen minimalistisch arrangierte Songs zu schreiben, die meiner Art zu Singen entsprechen, die meine Reime und Melodien gut vertragen. Denn das ist genau die Herausforderung: Musik und Text müssen ineinander aufgehen, die eigene Sprache muss singbar gemacht werden, damit meine Songs funktionieren. Und: Die Produktion darf die Stimme nicht erschlagen. Ich suche im Studio immer nach der Essenz dessen, was ich ausdrücken will. Ich will nicht sperrig sein, aber auch nicht zu leicht, ich will zugleich unterhalten, aber vor allem will ich ehrlich bleiben. Textlich und musikalisch. Und das dauert. Für mich fühlt sich das an wie eine Wissenschaft. Und es erklärt, weshalb mein neues Album fünf Jahre gebraucht hat, und warum ich es in meiner Muttersprache eingesungen habe.

Jetzt entlasse ich dieses Album, diese Sammlung von Songs, in die Welt, wo es ein Eigenleben führen wird. Es fühlt sich so an, als wäre ein Kind erwachsen geworden.

Sarah Connor

Quelle: © Universal Music