Interview mit dem Sänger Ben der Band „dArtagnan“

Interview mit dem Sänger Ben der Band „dArtagnan“

Wie ist denn Euer Bandname entstanden bzw. wie kam es zu der Band dArtangnan?

Die Band ist im Entferntesten eine Art Ableger von der Band Feuerschwanz quasi war ich nicht so richtig ausgelastet und hab mit dem damaligen Produzenten von Feuerschwanz “Krosi“ diverse Ideen in der Schublade gehabt das waren so ein paar Lieder, verschiedene Genres, eigentlich wussten wir überhaupt nicht hin mit unserem Überschuss an Ideen und dArtagnan war dann auch mehr so eine fixe Idee
Man sitzt blöd rum erzählt sich Quatsch, es gibt eine Band mit Ratten es gibt eine Band mit Seemännern, warum nicht mit Musketieren und die Idee hat dann doch immer besser gefallen weil man aus dem Thema ziemlich viel ziehen kann. Wir haben es ausprobiert und einen Song geschrieben und es hat gleich geknallt. Es war gleich „Seit an Seit“ irgendwie haben die Ideen gesprudelt und so ist das entstanden.
Für den Namen haben wir auch rumüberlegt, Wie nennt man das denn dann und dann war das auch recht schnell klar das das dArtagnan sein muss, weil das auch so ein mächtiger Name ist. Da assoziiert man sogleich das Thema und du bist gleich in der Welt drin, daher kommt dArtagnan

Wie kam es dazu dass ihr genau diese Musik macht, diesen mittelaltermäßigen Rock?

Das ist für mich quasi gar nichts Neues. Ich war schon damals und bin seit 11 Jahren bei Feuerschwanz aktiv und immer noch und das ist Folkrock und da kommt das auch her für mich so.
Ich sag auch immer ich kann nix anderes und deshalb bleib ich bei meinen Leisten und ich hab das nur ein bisschen anders gemacht.
dArtangnan klingt anders das hat sich auch mittlerweile etwas verselbstständigt da ist noch mehr Folk drin und weniger Mittelalter. Da ist auch hier und da mal Country zu hören da ist auch so ein bisschen Bombastrock zu hören die ganzen heldenhaften Hymnen
Mittlerweile hat sich das selber entwickelt. Aber aus der Folk-/Mittelalterecke komme ich schon immer, werde wahrscheinlich auch immer bleiben

Ist einer der Gründe für den Erfolg, dass der Musketier-Rock Fernweh und Abenteuerlust auslösen?

Wahrscheinlich schon, man kann weit ausholen in die Zeit der Romantik. Das ist ja in Deutschland ein Dauerbrenner jeder assoziiert was mit Burgen und Schlössern. Mit so einer Mittelalterwelt die es nie gab. Mit so einer romantisierten idealisierten Vorstellung von einer einfacheren Welt wo man nicht ständig aufs Handy glotzt, sondern heldenhaft aufs Pferd steigt und so weiter und so fort. Das ist nichts anderes bei den Seemännern und Piraten das ist auch eine idealisierte Vorstellung von einem einfach gestrickten Leben.
Du steigst auf dein Pferd und reitest los und machst was heldenhaftes, nicht sehr kompliziert und es ist natürlich völlig unrealistisch. Das ist klar. Ab das Gefühl steckt so in Jedem, das steckt auch in uns selbst als Musiker.

Ich hab als Teenie schon die Pen & Paper gespielt, die Computer-Games gezockt und Herr der Ringe geglotzt und das keimt alles aus dem gleichen Samen das man so eine Sehnsucht in sich trägt. Deshalb glaub ich das es daher kommt das so eine Musik auch Hörer findet weil das auch die Saiten zum Klingen bringt in einem.

Wie erklärt Ihr euch denn eigentlich diesen Boom der Mittelalter-Kultur?

Da könnte man weit ausholen, das kann ich nicht so richtig erklären. Ich denke das das da her kommt wie schon eben erwähnt, Saiten zum Klingen bringt in dem Hörer und das es eben auch schon viele Bands gemacht haben, der Weg ist geebnet.

Auch ich habe mit der Band Feuerschwanz jahrelang die Mittelaltermärkte beackert und es gibt Extremo und Schandmaul eben, verschiedene Spielarten einer Musik.
Sowas kann man nicht ewig lang nur belächeln. Sowas muss dann auch wenn es immer noch nicht im Radio gespielt wird, im Formatradio, Mainstreamradio wird so dergleichen nicht gespielt, irgendwann muss das doch in der Mitte der Gesellschaft des Mainstream ankommen.

Dass das ok ist das man auch mal Flöte spielt oder einen deutschen Text singt, sowas altertümliches singt, das ist in anderen Ländern ganz normal, das ist in Irland ganz normal, hat in Frankreich lange Tradition, das ist nur in Deutschland nicht so cool weil Folklore so einen Behaftung hat und wird dann schnell in die deutschtümelnde Ecke gestellt.

Da sind die Leute unlocker damit. Da gibt es jetzt eine neue Strömung, wo so eine Musik gemacht wird von vielen verschiedenen Gruppen und ich denke das das so langsam in der Mitte ankommt und dann kann ein dArtagnan auch im Fernsehen laufen ohne das Leute davon Ausschlag bekommen.

Mandoline, Flöte und Dudelsack sind musikalisches Kennzeichen der Musik. Wie seid ihr denn zu diesen besonderen Instrumenten gekommen?

Ich hab schon immer Musik gemacht. Ich bin als 12 jähriger, der in Herr der Ringe vernarrt ist, auch langsam auf die Idee gekommen so eine Musik zu hören und und wenn man auch eine musikalische Begabung hat, dann muss man das auch selber spielen.

Da habe ich halt alles ausprobiert was ich in die Finger bekommen habe und hab das dann auch an meine Kollegen weiter gegeben. Guck mal das hier ist eine Irish Bouzouki. Probiere das mal aus und so bedient man die Flöten und jetzt haben wir eine Geige mit an Bord. Das finde ich auch total geil für so ne Art von Musik, das kann man immer wieder neu kombinieren.

Ich würde mich freuen und ich find’s schön dass Du mir die Frage stellst, das das etwas besondere ist. Ich hätt gern das das irgendwann normal ist, das alle sowas spielen. Das es im Radio benutzt wird das das was Schönes ist und das beobachtet man schon auf Youtube das irgendwelche Leute auf durchgeknallten Instrumenten spielen. Die Leute so „Woah guck mal was ist das denn krass oder?“ sagen Ist eine gute Entwicklung… mehr davon bitte.

Ihr seit ja nur zu dritt in der Öffentlichkeit, wer spielt die anderen Instrumente wie Schlagzeug etc.?

Es ist historisch bedingt das wir als Trio angefangen haben. Nach kurzer Zeit wollten wir auf Tour gehen mit dem Zeug und wir wollten das nie nur zu dritt präsentieren.Da ist man zu limitiert wenn es in die Richtung Mittelalter geht das klingt nicht fett wenn einer Flöte spielt und einer Gitarre, der dritte tanzt dazu. Das klingt nicht nach großartiger Rockmusik deswegen war ganz klar wir brauchen eine Liveband .

Das sind Freunde von uns, das sind Sebastian, Heiko, Matze die die Rhytmusfraktion bedienen und es ist tatsächlich so dass wir alles zu sechst machen und uns gar nicht mehr so als Trio wahrnehmen.
Wir machen das alles gemeinsam mit unseren Jungs und das fühlt sich richtig an und das ist auch unser Ding so, als alte Rocker hat man doch am meisten Bock Rockmusik zu machen

Vor kurzen hat euch ja euer Gitarrist Felix verlassen, Wer kam denn jetzt als drittes Neues Musketier dazu?

Wir haben einen neuen Mann der spielt Geige und ob man das jetzt drittes Musketier oder sechstes Musketier nennen möchte, das kann jeder so für sich entscheiden. Wir sind da grade in der Umbruchsphase. Wir sind ja gerade mittendrin auf Tour. Es geht noch weiter nach Heidelberg. Wir sind sechs Mann auf Tour und der neueste im Bunde ist eben Gustavo und er spielt Geige bei uns.

Euer Slogan ist: “Alle für Einen, einer für Alle“, in wie fern verletzt es euch, das Felix gegangen ist?

Natürlich hat einen das verletzt, wir waren megaverletzt und gleichzeitig spielt das Leben solche Sachen. Wenn man als Band anfängt denkt jeder das wird für immer so sein ist es aber nicht. Das ist der Lauf der Dinge das bei einer Band jemand aussteigt und jemand anders einsteigt.
Das Wichtigste ist das dann die Musik weiter gemacht wird. Da gibt’s Beispiele wo klar jemand aussteigt wie der totale Sänger, die Identifikationsfigur, wo die Musik dann nicht mehr dieselbe ist.
Das ist bei einem Instrumentalisten nicht ganz so schlimm, der freundschaftliche Verlust ist riesig, wir können aber die Musik weiter machen, wie du es sagst „Einer für alle, alle für einen“ . Da zählt mehr der Gedanke als der einzelne Musiker. Der Gedanke wird weiter geführt und die Musik wird weiter geführt. Das ist für uns das Wichtigste.

Eure Texte sind generell eher Texte zum Mitsingen und eindringliche Themen. Es geht um Degen, Mittelalter und schöne Frauen. Wie sieht euer typischer Zuhörer aus?

Es tatsächlich viele Frauen. Aber kategorisieren ist die schwerste Fragen die man stellen kann und das geht kaum. Wir haben einen tollen Fanclub die auch völlig bunt gemischt sind. Die haben das Wort geprägt „wir sind unschubladisierbar“ und wir haben das auch übernommen das Wort und so sind unsere Fans auch, du kannst keine Schublade auf machen und den typischen dArtangnan Fan rausziehen oder reinstecken.

Weil den gibt’s nicht, die sehen alle unterschiedlich aus, die einzige Verbindung ist vor der Bühne ist die Begeisterung für unsere Mucke, die teilen sie sich alle, da gibt’s die mit knallbunten T-Shirt und die mit schwarzen T-shirts, alt, jung, gross, klein, das ist auch gut so, die sind bei uns jederzeit willkommen, von den Enkeln bis zu Oma, das ist uns eigentlich egal solange die Begeisterung in den Augen stimmt.

Viele Kritiker werfen euch ja vor, dass ihr nur auf den Zug des Mittelalterrocks mit aufgesprungen seid, da es für die Musikindustrie momentan lukrativ scheint. Was habt ihr diesen Aussagen entgegenzuhalten?

Liebe Kritiker ihr könnt von mir alte Bilder googeln, da bin ich 17 Jahre alt. Das war vor 11 Jahren und da habe ich im Grunde das Gleiche gemacht. Das war dann noch 2 Bands vorher, das war auch Mittelalter. Wenn man sich das so anschaut. Auf einem Acker, in der Wiese oder Strassenmusik auf der Straße musizierend, barfuß, dann ist das letzte Wort was dir dazu einfällt „lukrativ“ Wir machen es sicher nicht deswegen, wenn du die Kohle brauchst dann werde…. Programmierer aber nicht Mittelaltermusiker.

Eure Texte sollen auch Themen wie Mut, Ehre und Treue vermitteln. Zwar sind sie einfach gestrickt, enthalten aber dennoch eine Message. Welche Moral soll für euch vor allem durch eure Texte rüberkommen? Was ist euch in eurem Leben vielleicht auch besonders wichtig – in Bezug auf Werte?

Thema als Band, wo man immer wieder darauf stößt, das ist so blöde wie es klingt Es ist ein Mix aus Freundschaft, Loyalität zu seinen Freunden, Loyalität zu einer Idee , man setzt sich auf ein Piratenschiff und musst die Welt umsegeln, und wenn da einer meutert dann geht’s gar nicht mehr voran. Das Schiff geht unter, die Crew entzweit sich, alle stranden auf einer einsamen Insel, und es geht nichts mehr voran.

Man muss jeden Tag an sich arbeiten, an seiner Freundschaft zueinander, es müssen auch mal die Fetzen fliegen, da kann man quasi Non-Stop Lieder von singen wie wichtig das ist für uns als Band. Das das weiterhin auch so funktioniert weil man allein nichts wert ist. Keiner von uns stellt sich alleine auf die Bühne, also gut hab ich auch schon gemacht aber dArtangnan ist wir zusammen und nicht alleine hingestellt

Zurückblickend….Welches war denn eure erste selbst gekaufte Platte?

Muss ich lange überlegen ich glaube als Kind da habe ich mir eine Techno Cd gekauft. Ich glaube Music-Instructor.

Wenn man schon so ein Erfolg hat, gibt es denn noch irgendwas was Ihr persönlich erreichen wollt?

So einen Punkt den man erreichen will den gibt es gar nicht. Ich sag’s auch immer zu meinen Kollegen man hat immer so ein paar Ziele „Mensch alter wäre das geil in Hamburg das Knuust auszuverkaufen ich will endlich mal in dem großen, im alten Schlachthof in Dresden spielen oder was weiß ich und dann macht man das irgendwann.
Bis dahin hat man sich längt ein neues blödes Ziel gesteckt und dann sag ich zu meinen Kollegen: Michael Jackson hätte sich gewünscht endlich mal auf dem Mond zu spielen. Du setzt dir immer neue Ziele und ich bin wahnsinnig dankbar von der Musik leben zu können, auch wenn’s ein hartes Brot ist.

Das ist ein Status den ich erreicht habe und für den ich sehr dankbar bin und auf dem ich auf jeden Fall weitermachen will und so hat man halt seine kleinen Ziele.Wacken Mainstage mal zu spielen, meistens an großen Orten vor vielen Menschen zu spielen das ist eigentlich immer der Grundgedanke

Ihr habt ja bisher zwei Alben veröffentlicht, Wie geht es jetzt bei euch weiter? Folgen noch weitere Alben? Gibt es noch weitere Tourneen?

Eine nächste Tournee ist noch nicht geplant. Wir spielen einen Haufen Festivals im Sommer, und feiern unser zweites Album. Inclusive der neuen Besetzung mit neuem Song mit Geige. Witziger Weise hat schon auf dem zweiten Album ein Gastmusiker Geige gespielt.

Das Instrument hat seine Schatten voraus geworfen , das hat alles so sein sollen, das wir jetzt in der Besetzung spielen. Das funktioniert großartig und das wollen wir live präsentieren, und damit ein paar Klinken putzen.

Schenkt uns doch zum Abschluss bitte noch eine Lebensweisheit von euch?

Nicht machen, sondern sein.

Vielen Dank fürs Interview.

Fabian Grey für Jellybeans Webradiopromotion

27.03.2018|News|